Marlene Parker Filtrate Lambretta Sprinter

It’s a Woman world – Parkers Filtrate

Nachdem der orange-metallflake farbene Racer des Scooter Centers Köln eine halbe Ewigkeit im Verkaufs- und Showroom des Ladenlokals schlummerte, wurde er in seinem Dornröschenschlaf in jüngerer Vergangenheit empfindlich gestört. Neben Foto Shootings für den Flyer zum Sprint Rennen Marl und für den neuen Katalog, wurde er auch auf diversen internationalen Customshows wie Ried und Antwerpen sowie auf CSR Rennveranstaltung auf dem Nürburgring ausgestellt.

Arthur Francis?

Die Arthur Francis Schriftzüge dienen sehr häufig als Anhaltspunkt, um dem Baby einen Namen zu geben. Doch die bis jetzt bekannte und recht spektakuläre, ja beinahe dramatische Geschichte, des Rollers hat wenig mit dem Namen Arthur Francis zu schaffen.

Lambretta Concessionaires UK & Filtrate!

Stattdessen sind es vor allem die Namen Lambretta Concessionaires UK und der damals sehr renommierte Schmiermittelhersteller Filtrate, auf deren Initiative der Racer zurück zu führen ist.

So sind es im September 1965 die Verantwortlichen von Filtrate, die Ernie Hall fragen, ob er nicht für Weltrekordversuche eine Lambretta umbauen könnte. Gemeinsam mit Bob ‚Beard’ Webb, einer weiteren Tuning Größe, legt er kurz nach diesem Zusammentreffen los. Dem Duo wird eine ladenfrische Lambretta GT 200 zur Verfügung gestellt, die einem radikalen Tuning auf allen Gebieten unterzogen wird. Neben den recht offensichtlichen optischen Veränderungen erfolgen viele Detailradikalisierungen und ein recht komplexes Motorentuning. Das geht weit über die zuerst genannten Maßnahmen wie die Erhöhung der Vorverdichtung durch den Umbau auf Vollwangenwelle, einen Wal Phillips Fuel Injector und einen Rennauspuff hinaus.

Der im Oktober 1965 mit 82.08 mph (131,328 km/h) von Don Noys auf Lambretta in Elvington aufgestellte Rekord, sollte attackiert werden.
Nach einem wahren Kraftakt des Tuner Duos, wird bereits für November 1965 eine Pressekonferenz angekündigt, auf der der Rekord Brecher vorgestellt werden soll.

„England sucht die Super Pilotin“

Im Vorfeld der Pressekonferenz läuft, frei nach dem Motto ‚England sucht die Super Pilotin’, ein Wettbewerb, auf den sich 67 Frauen bewerben. Darunter eine Großmutter, die überzeugt ist, das in ihr das Potential zum Sprint Rekorde jagen schlummert. Die Auswahlkriterien sind Enthusiasmus und Fahrübung. Die in ein Mini Projektil verwandelte GT 200 passt perfekt zu der Physis der zwölf jungen Damen, die es in die engere Auswahl geschafft haben. Hinsichtlich der Beurteilung, ob die Mini Röcke ebenso gut zu dem Foto Shooting auf dem Racer passen, dürfte stark im Auge des Betrachters liegen. Die 22-jährige Taxi Fahrerin aus Bristol, macht das Rennen. Ihr Markenzeichen soll schon recht bald, die hautenge, weiße Lederkombi werden.

Schnee in Snetterton- Chaos in Italien

Der erste, für November in Snetterton geplante Lauf fiel leider aufgrund von Schneefall aus, so dass der Roller seine Feuertaufe in Italien überstehen sollte.

Vor der 39ten Mailänder Motorshow war für den 2. Dezember 1965 die Rennstrecke von Monza für Rekordfahrten gebucht worden.

Marlenes Roller kommt trotz der aerodynamisch äußerst günstigen Vollverkleidung und trotz des extrem niedrigen Kampfgewichts aufgrund von Vergaser Problemen nicht richtig in Fahrt. Die ‚offizielle’ Zeitmessung ist zudem chaotisch. Unter motorsportlichem Gesichtspunkt ist der Ausflug ein Desaster. Laut Bob Wilkinson von den Lambretta Concessionaires war die viel zu kurze Testphase ohne jeglichen Lauf fernab der Werkstatt und der hohe Zeitdruck schuld. Marlene hat ihr Potential, nicht nur in weißem Leder zu entzücken, trotzdem in Monza unter Beweis stellen können. Mit einem geliehenen Roller konnte sie mit 17.6 sec für die stehende Quartermile den nationalen italienischen Rekord brechen.

Wenn der Ausflug von Filtrate nach Italien sportlich ein Desaster war, so war er unter PR Gesichtspunkten ein wahrer Triumphzug. Presse und Kamera Teams umlagern den Stand auf der Motorshow und sind von Frau Parker hin und weggerissen. Der Name Filtrate ist in ganz Italien bekannt und Marlene wird neben ihrem Einsatz in Leder für ihren Charme, Witz und ihre Schlagfertigkeit gefeiert.

Die aufblasbaren Elefanten, mit denen die Lambro 550 beworben werden, kommen neben diesem Trubel nicht mehr ganz zur vollen Wirkung. Filtrate und die Lambretta Con. geben folgende Pressemitteilung heraus: „Gestern (3. Dezember 1965) hat die aus Bristol kommende Marlene Parker eine Lambretta GT 200 auf maximale Geschwindigkeit gefahren. Die Viertelmeile wurde mit einer Geschwindigkeit von 82,296 km/h zurückgelegt.“ Diese Leistung wurde vom Lambretta Club Italien mit einem Blumenstrauß und einer Gold Medaille gewürdigt.

Weltrekord ¼ Meile ins Auge gefasst

Zurück in England wurde der Rest des Winters dazu genutzt, um den Motor flott zu machen und das Gewicht weiter zu reduzieren. Im Frühjahr 1966 wurde Marlene ein Vertrag angeboten, in der Klasse bis 250 ccm den Weltrekord auf der stehenden ¼ Meile, der kompletten Meile und über einen Kilometer zu attackieren. Zu dem Termin im April kommt es leider nicht und es wird ruhig um das Team um Frau Parker.

Am 13. Mai 1966 gibt Garnett Keeler, der Presse Offizier der Lambretta Trojan Gruppe eine Erklärung heraus, dass der jetzt „JET“ genannte Racer mit einem potentiellem Top Speed von 125 mph die Weltrekorde knacken wird.

Im Jahr 1967 verliert sich die Spur des Rollers. Etliche Jahre später taucht er in der Mike Karlslake Sammlung in der jetzigen Lackierung und mit einigen, wenigen Unterlagen auf. Nach Mikes Tod und der darauf folgenden Versteigerung dieser einzigartigen Lambretta Sammlung, findet Marlenes Roller den Weg nach Deutschland und schließlich zum Scooter Center nach Köln (Bergheim).